Nach der Diskussion um die Installierung von Nationalparken in verschiedenen nordrhein-westfälischen Regionen ist nun offenbar die Diskussion um die Einrichtung eines Nationalparks in Teilen des Arnsberger Waldes wiederbelebt worden. Kerngebiet sollen hier Staatswaldflächen auf einer Fläche von 7000 ha sein. Der Verband der Säge- und Holzindustrie Nord e. V. und der Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie (VDS) sehen durch das Vorhaben hunderte von Arbeitsplätzen in der mittelständischen Holzindustrie gefährdet.
Das Land NRW verfügt mit dem Nationalpark „Eifel“ bereits über ein Projekt, das dem stetigen Bemühen von Umweltschutzverbänden nach weiteren Flächenstilllegungen Rechnung getragen hat. Ob durch dieses Projekt tatsächlich Impulse für zusätzlichen Tourismus geschaffen wurden, ist bisher nicht belegt worden, so der Vorstand des Verbandes der Säge- und Holzindustrie Nord. Im Gegenteil, die bisherigen Erfahrungen mit den Nationalparken „Harz“ oder auch „Bayerischer Wald“ lassen vermuten, dass zu Lasten der Holzwirtschaft und zum Nachteil der Waldbesitzer wirtschaftliche Nutzflächen stillgelegt und damit Arbeitsplätze im Mittelstand vernichtet werden, ohne dass die Zahl der Übernachtungsgäste gesteigert werden konnte.
Planungen für einen Nationalpark Arnsberger Wald sind für die holzwirtschaftlichen Verbände auch deswegen nicht nachvollziehbar, da das gesamte Fichtenstammholz aus Staatswäldern des Landes NRW bis einschließlich 2014 an das Klausner-Unternehmen verkauft sind. Die durch die Stilllegung entfallende Holzernte muss durch anderweitige Anbieter kompensiert werden, d.h. das Holz muss – ökologisch unsinnig – aus weiter entfernten Waldregionen angefahren werden. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt ist es fraglich, ob die in NRW ansässigen Holzbetriebe ihren Rundholzbedarf mit heimischem Holz überhaupt noch decken können. Die Folgen von Kyrill und mehrere Langfristlieferverträge werden dazu führen, dass der Einschlag in NRW ohnehin reduziert werden muss.
Die Planung für einen weiteren Nationalpark widersprechen überdies den Ergebnissen der mit enormen Steuergeldern erstellten Studie „Cluster Forst und Holz NRW“ aus dem Jahr 2003, die seinerzeit die Bedeutung der Holzbranchen für das Land NRW hervorgehoben hat. „Wofür wenden wir erhebliche Mittel auf, um die Bedeutung dieser Branchen und der damit verbundenen Arbeitsplätze zu betonen, wenn wenig später die Rohstoffverfügbarkeit in Frage gestellt wird?“ so brachte Vorstandsmitglied Hannes Kirchhoff, Geschäftsführer der Firma „JOKI“ in Finnentrop, sein Unverständnis über die aktuelle Nationalparkdiskussion zum Ausdruck.
Bereits anlässlich der Diskussion um den Nationalpark „Teutoburger Wald“ hatte Ernst Fisch, Gesellschafter der Firma Ernst Fisch GmbH und Co. KG darauf hingewiesen, dass der Ernteverzicht auf 100 cbm Holz die Aufgabe eines Arbeitsplatzes nach sich zieht. Rechnerisch würde dies bedeuten, dass die Schaffung eines Nationalparks einhergeht mit dem Verlust von rund 650 Arbeitsplätzen in Holz- und Forstwirtschaft.
Die erneuten Planungen für einen Nationalpark machen deutlich, dass die Diskussion über einen solches Projekt nicht nur mit Umweltschützern sondern auch mit den beteiligten Branchen der Holz- und Forstwirtschaft geführt werden muss.
Der Verband der Säge- und Holzindustrie Nord e.V. wird genau diesen Fragen im Rahmen seiner diesjährigen Mitgliederversammlung am 23. September 2009 in Bad Arolsen nachgehen und in dieser Angelegenheit in Kürze das Gespräch mit den politischen Vertretern vor Ort suchen.
Verband der Säge- und Holzindustrie Nord e.V.